Laut unserem Reiseführer gab es hier
im 18. Jh. 65 Klöster, heute sollen noch mehr als die Hälfte davon
in Betrieb sein. Die buddhistischen Mönche tragen orange Gewänder
und sie waren uns schon oft in anderen Städten begegnet. Auf unserer
Reise wurde uns meist freundlich zugenickt, wenn wir grüßten. Ich
habe die Mönche immer als freundliche Leute wahrgenommen, die
entweder lächeln oder einfach etwas abwesend oder gleichgültig
gucken. Heute habe ich zum erstem Mal gesehen, dass sie auch sehr
genervt gucken können.
In Sihanoukville konnten wir morgens
beobachten wie zwei Mönche während ihres Almosenganges kleine
Geld- und Essensspenden von Gläubigen entgegen nahmen. Sie bleiben
wortlos und mit gleichgültigem Gesichtsausdruck vor den Geschäften
stehen und gingen nach kurzer Zeit weiter, wenn niemand rauskam. Ein
kleines Mädchen lief zu ihnen, kniete nieder, betete, der Möch
öffnete sein Sammelbehältnis und das Mädchen legte sowohl Geld als
auch Essen in dieses hinein. Dann stand es auf und hüpfte zurück
ins Geschäft. Der Gesichtsausdruck des Mönches änderte sich
während dessen nicht, er sagte nichts und bedankte sich auch nicht.
Die Dankbarkeit herrscht auf der Seite der Gläubigen, denn der Mönch
gibt ihnen die Chance etwas Gutes zu tun, deshalb bedankt man sich
beim Mönch für das Annehmen der Spende und nicht anders herum.
Auch in Phonsavan sahen wir Mönche
beim Almosengang, dort gingen sie in größeren Gruppen, sonst war
alles genau so.
Hier ist das anders! Dadurch, dass es
hier so viele Klöster gibt, ist die Anzahl der Mönche natürlich
sehr hoch. Wenn sie zum Almosensammeln durch die Straßen ziehen,
sieht das einfach toll aus! Lange Reihen leuchtend orangener Gewänder
in der Morgendämmerung – klar, dass da jeder Tourist ein Foto
braucht!
Wir hatten zwar gelesen, dass hier in
der Stadt der Almosengang einer Modenschau auf dem Laufsteg in
Blitzlichtgewitter gleich kommt, aber sehen wollten wir das natürlich
auch. Also verließen wir um 6 Uhr unser Hostel und machten uns auf
den Weg in die Altstadt. Kaum waren wir aus der Tür, wollte uns
schon eine Frau eingepackte Kekse verkaufen. „Für die Mönche! Für
die Mönche!“, sagte sie und ging ohne ein Wort, als ihr klar
wurde, dass wir nichts kaufen würden. Mönche brauchen einzeln
verpackte Kekse? Das war uns bis dahin noch nicht bewusst. Wir hatten
immer nur gesehen, dass die Gläubigen Reis oder eben anderes
„richtiges“ Essen gegeben hatten.
Als wir aus einer Seitenstraße auf die
Hauptstraße bogen sahen wir schon die Minibusse, TukTuks und andere
Touris, die zu Fuß kamen. Wir gingen die Straße hinauf. Auf dem
linken Bürgersteig wurden Decken und Matten ausgebreitet.
Sitzkissen. Kleine Hocker! Überall Frauen, die Klebreis und Kekse
verkauften. Kleine mit Klebreis befüllte Behälter auf denen ein
Schal lag.
Boah! Das war was ganz anderes, als
das, was wir bisher gesehen hatten...
Ein neuer Minibuss kam an und eine
Reisegruppe wurde auf die Höckerchen platziert und ihnen wurde
gezeigt, wie sie den Schal um zulegen hatten. Foto! Foto! Hallo!
Blitz! Lautes Gelache und Gerede...
In der Stadt hängen immer wieder
Schilder, dass man bitte, wenn überhaupt, dann nur zurückhaltend
und unauffällig fotografieren soll und sowieso ohne Blitzlicht! Ist
doch klar, oder?! Na, vielen anscheinend nicht, denn die meisten
Leute hatten richtig dicke Objektive dabei oder knippsten
ununterbrochen mit dem Smartphone rum. Wir hatten natürlich auch die
Kamera dabei, aber waren uns sofort einig, dass wir die Mönche nicht
fotografieren wollten, dafür schossen wir aber ein paar schöne
Fotos anderen Touris.
Als die Mönche kamen, war ich
irgendwie schockiert. Einfach unglaublich! Wie am Fließband! Die
Leute auf ihren Kissen und Höckerchen beteten nicht, sondern warfen
ein paar Stückchen Klebreis in jeden Behälter. Die Mönche blieben
nicht stehen sondern gingen langsam vorbei und guckten zum Teil
wirklich grimmig und genervt. Immer mal wieder hielten es einige
Leute für nötig die Mönche bis auf die letzte Hautpore mit ihren
Mega-objektiven abzulichten und machten ihnen erst im letzten Moment
den Weg frei. Wir beobachteten auch, wie ein Mönch auf der Jagd nach
dem besonderen Foto angestoßen wurde. Ein absolutes No-Go!!!
Zwischen den Gläubigen, die gaben,
saßen vereinzelt Kinder mit Kisten und Körben, diese bettelten. Die
Mönche dürfen solche Bitten nach Essen nicht ausschlagen und warfen
achtlos Klebreisklumben in die Körbe. Ich glaube, auch weil ihre
Sammelbehälter garnicht für die Massen an Spenden ausreichen, die
von den Touris an sie gegeben werden – so schaffen sie immer mal
wieder Platz für neue Spenden, die sie auch nicht ablehnen dürfen.
Das ganze Schauspiel war schon
beeindruckend, aber nicht unbedingt auf eine positive Art und Weise,
denn spirituell wirkte das Ganze nur sehr wenig.
Wir haben wirklich keine Mönchfotos
gemacht, aber wer sehen möchte, wie sie Reihenweise durch die
Straßen ziehen, braucht nur die Google-Bilder-Suche mit den Wörten
„Luang Prabang Mönche“ zu füttern!
Hallo ihr zwei - hier jetzt mal wieder ein langer Kommentar. Sorry, dass ich mich nicht gemeldet habe.
AntwortenLöschenDas mit den Mönchen klingt irgendwie schockierend. Ist es nicht traurig, dass sie eigentlich an etwas glauben und dann diese wunderschöne Tradition so kommerzialisiert wird? Wahrscheinlich haben sie dann in ihrem Kloster auch gar keine Lust immer nur die gleichen eingepackten blöden Kekse zu essen und nicht diverse tolle Sachen, die man sonst bekommt... unfassbar was der Tourismus kaputt machen kann. Ich finde es richtig, dass ihr kein Bild gemacht habt.
Ich selbst hatte übrigens ein wunderwunderschönes Wochenende in Barcelona. Ich habe die Stadt zu meiner neuen europäischen Lieblingsstadt deklariert. Ich denke man kann an wenigen Orten schöner wohnen als dort.
Ich fand euer Sonnenaufgangsbild vom Bungalow aus einfach atemberaubend. Ich hoffe, ihr genießt noch viele von diesen tollen Sonnenaufgängen!
Habt noch eine schöne verlängerte Zeit, genießt jede Sekunde eurer Freiheit!!
Eine feste Umarmung!
Annemarie
Hey Annemie,
AntwortenLöschenich habe nochmal über die Touris beim Almosengang gelesen und ich glaube, dass schlimme für die Mönche ist nicht nur, dass die Tradition kommerzialisiert wird. Dadurch, dass immer mehr Touris das machen, machen es auch immer weniger Einheimische... in der Regenzeit, wenn keine Touris da sind, sieht es wohl dann nicht mehr so gut aus mit den Spenden. Wenn ich daran denke, was wir dort so beobachten konnten, kann ich nur wieder den Kopf schütteln...
Schön zu hören, dass Barcelona toll war!!! Wann ist der nächste Trip in die Lieblingsstadt geplant? ;o)
Liebe Grüße, pauli
PS: Machen wir - versprochen!!!