Sonntag, 9. Februar 2014

Almosengang in Luang Prabang

Die Stadt der Mönche liegt im laotischen Hochland und lebt eindeutig vom Tourismus, denn es gibt hier so einige „Attraktionen“. Tolle Wasserfälle, eine schöne Altstadt, Elefantenreiten und...

Laut unserem Reiseführer gab es hier im 18. Jh. 65 Klöster, heute sollen noch mehr als die Hälfte davon in Betrieb sein. Die buddhistischen Mönche tragen orange Gewänder und sie waren uns schon oft in anderen Städten begegnet. Auf unserer Reise wurde uns meist freundlich zugenickt, wenn wir grüßten. Ich habe die Mönche immer als freundliche Leute wahrgenommen, die entweder lächeln oder einfach etwas abwesend oder gleichgültig gucken. Heute habe ich zum erstem Mal gesehen, dass sie auch sehr genervt gucken können.

In Sihanoukville konnten wir morgens beobachten wie zwei Mönche während ihres Almosenganges kleine Geld- und Essensspenden von Gläubigen entgegen nahmen. Sie bleiben wortlos und mit gleichgültigem Gesichtsausdruck vor den Geschäften stehen und gingen nach kurzer Zeit weiter, wenn niemand rauskam. Ein kleines Mädchen lief zu ihnen, kniete nieder, betete, der Möch öffnete sein Sammelbehältnis und das Mädchen legte sowohl Geld als auch Essen in dieses hinein. Dann stand es auf und hüpfte zurück ins Geschäft. Der Gesichtsausdruck des Mönches änderte sich während dessen nicht, er sagte nichts und bedankte sich auch nicht. Die Dankbarkeit herrscht auf der Seite der Gläubigen, denn der Mönch gibt ihnen die Chance etwas Gutes zu tun, deshalb bedankt man sich beim Mönch für das Annehmen der Spende und nicht anders herum.

Auch in Phonsavan sahen wir Mönche beim Almosengang, dort gingen sie in größeren Gruppen, sonst war alles genau so.

Hier ist das anders! Dadurch, dass es hier so viele Klöster gibt, ist die Anzahl der Mönche natürlich sehr hoch. Wenn sie zum Almosensammeln durch die Straßen ziehen, sieht das einfach toll aus! Lange Reihen leuchtend orangener Gewänder in der Morgendämmerung – klar, dass da jeder Tourist ein Foto braucht!
Wir hatten zwar gelesen, dass hier in der Stadt der Almosengang einer Modenschau auf dem Laufsteg in Blitzlichtgewitter gleich kommt, aber sehen wollten wir das natürlich auch. Also verließen wir um 6 Uhr unser Hostel und machten uns auf den Weg in die Altstadt. Kaum waren wir aus der Tür, wollte uns schon eine Frau eingepackte Kekse verkaufen. „Für die Mönche! Für die Mönche!“, sagte sie und ging ohne ein Wort, als ihr klar wurde, dass wir nichts kaufen würden. Mönche brauchen einzeln verpackte Kekse? Das war uns bis dahin noch nicht bewusst. Wir hatten immer nur gesehen, dass die Gläubigen Reis oder eben anderes „richtiges“ Essen gegeben hatten.
Als wir aus einer Seitenstraße auf die Hauptstraße bogen sahen wir schon die Minibusse, TukTuks und andere Touris, die zu Fuß kamen. Wir gingen die Straße hinauf. Auf dem linken Bürgersteig wurden Decken und Matten ausgebreitet. Sitzkissen. Kleine Hocker! Überall Frauen, die Klebreis und Kekse verkauften. Kleine mit Klebreis befüllte Behälter auf denen ein Schal lag.

Boah! Das war was ganz anderes, als das, was wir bisher gesehen hatten...

Ein neuer Minibuss kam an und eine Reisegruppe wurde auf die Höckerchen platziert und ihnen wurde gezeigt, wie sie den Schal um zulegen hatten. Foto! Foto! Hallo! Blitz! Lautes Gelache und Gerede...

In der Stadt hängen immer wieder Schilder, dass man bitte, wenn überhaupt, dann nur zurückhaltend und unauffällig fotografieren soll und sowieso ohne Blitzlicht! Ist doch klar, oder?! Na, vielen anscheinend nicht, denn die meisten Leute hatten richtig dicke Objektive dabei oder knippsten ununterbrochen mit dem Smartphone rum. Wir hatten natürlich auch die Kamera dabei, aber waren uns sofort einig, dass wir die Mönche nicht fotografieren wollten, dafür schossen wir aber ein paar schöne Fotos anderen Touris.




Als die Mönche kamen, war ich irgendwie schockiert. Einfach unglaublich! Wie am Fließband! Die Leute auf ihren Kissen und Höckerchen beteten nicht, sondern warfen ein paar Stückchen Klebreis in jeden Behälter. Die Mönche blieben nicht stehen sondern gingen langsam vorbei und guckten zum Teil wirklich grimmig und genervt. Immer mal wieder hielten es einige Leute für nötig die Mönche bis auf die letzte Hautpore mit ihren Mega-objektiven abzulichten und machten ihnen erst im letzten Moment den Weg frei. Wir beobachteten auch, wie ein Mönch auf der Jagd nach dem besonderen Foto angestoßen wurde. Ein absolutes No-Go!!!

Zwischen den Gläubigen, die gaben, saßen vereinzelt Kinder mit Kisten und Körben, diese bettelten. Die Mönche dürfen solche Bitten nach Essen nicht ausschlagen und warfen achtlos Klebreisklumben in die Körbe. Ich glaube, auch weil ihre Sammelbehälter garnicht für die Massen an Spenden ausreichen, die von den Touris an sie gegeben werden – so schaffen sie immer mal wieder Platz für neue Spenden, die sie auch nicht ablehnen dürfen.

Das ganze Schauspiel war schon beeindruckend, aber nicht unbedingt auf eine positive Art und Weise, denn spirituell wirkte das Ganze nur sehr wenig.

Wir haben wirklich keine Mönchfotos gemacht, aber wer sehen möchte, wie sie Reihenweise durch die Straßen ziehen, braucht nur die Google-Bilder-Suche mit den Wörten „Luang Prabang Mönche“ zu füttern!




2 Kommentare:

  1. Hallo ihr zwei - hier jetzt mal wieder ein langer Kommentar. Sorry, dass ich mich nicht gemeldet habe.
    Das mit den Mönchen klingt irgendwie schockierend. Ist es nicht traurig, dass sie eigentlich an etwas glauben und dann diese wunderschöne Tradition so kommerzialisiert wird? Wahrscheinlich haben sie dann in ihrem Kloster auch gar keine Lust immer nur die gleichen eingepackten blöden Kekse zu essen und nicht diverse tolle Sachen, die man sonst bekommt... unfassbar was der Tourismus kaputt machen kann. Ich finde es richtig, dass ihr kein Bild gemacht habt.
    Ich selbst hatte übrigens ein wunderwunderschönes Wochenende in Barcelona. Ich habe die Stadt zu meiner neuen europäischen Lieblingsstadt deklariert. Ich denke man kann an wenigen Orten schöner wohnen als dort.
    Ich fand euer Sonnenaufgangsbild vom Bungalow aus einfach atemberaubend. Ich hoffe, ihr genießt noch viele von diesen tollen Sonnenaufgängen!
    Habt noch eine schöne verlängerte Zeit, genießt jede Sekunde eurer Freiheit!!
    Eine feste Umarmung!
    Annemarie

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  2. Hey Annemie,

    ich habe nochmal über die Touris beim Almosengang gelesen und ich glaube, dass schlimme für die Mönche ist nicht nur, dass die Tradition kommerzialisiert wird. Dadurch, dass immer mehr Touris das machen, machen es auch immer weniger Einheimische... in der Regenzeit, wenn keine Touris da sind, sieht es wohl dann nicht mehr so gut aus mit den Spenden. Wenn ich daran denke, was wir dort so beobachten konnten, kann ich nur wieder den Kopf schütteln...

    Schön zu hören, dass Barcelona toll war!!! Wann ist der nächste Trip in die Lieblingsstadt geplant? ;o)

    Liebe Grüße, pauli

    PS: Machen wir - versprochen!!!

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