Also... nach Sihanoukville wollten wir
für zwei Tage nach Kampot, weil es ganz schön und gemütlich sein
sollte. Die Busfahrt dauerte gerade mal 2,5 Stunden und wir konnten
es wirklich nicht glauben, dass es wirklich bei der angekündigten
Fahrtzeit blieb. WAS? Wir sind schon da??? Und schon standen 10 Tuk
Tuk Fahrer um uns rum.... wir sind erst mal zielstrebig in den
nächsten Fruitshakeladen und warteten dort gemütlich mit unseren
Shakes bis sich die Lage beruhigt hatte. Soviel zur Gemütlichkeit
der Stadt!
Zum Glück hatten wir ein Zimmer
telefonisch vorgebucht und so konnten wir uns von einem Tuk Tuk
Fahrer, den wir selbst auswählten, zielstrebig zur Bodhi Villa
fahren lassen. Hier sind die Tuk Tuk Fahrer ganz anders als in
Sihanoukville... lassen nicht mit sich handeln und wenn man eins
sucht, dann muss man es suchen und es wird nicht von überall
gerufen.
Die Bodhi Villa hielt ein winziges
Zimmer für uns bereit, gerade so groß, dass ein Doppelbett
reinpasste und man drum herum laufen kann. Dazu ein Moskitonetz mit
ein paar Löchern (Danke für das Leukoplast, Susanne!) und eins der
Einheitsregale, die es hier gibt. Einheitsregale? Ja, wir haben den
Eindruck, dass es nur diese eine Sorte Regal gibt, das dafür aber
überall. Dann gibt es noch zwei Sorten Betten, und zwei verschiedene
Arten von Korbsessel, von denen sich aber nur eine Sorte gemütlich
sitzt. Von Plastikstühlen gibt es auch nur eine Sorte, die aber in
rot oder blau und klein oder groß.
Nach zwei Nächten in der Bodhi Villa
siedelten wir um nach Naga House und bezogen ein Bungalow. Juppi,
unser erster Bungalow! Eigentlich gibt es keinen großen Unterschied
zwischen einem Zimmer und einem Bungalow, aber wir freuten uns
trotzdem, dass wir endlich auch mal einen hatten. Er ist ein bisschen
größer als das Zimmer bei Bodhi und das Mosiktonetz hatte keine
Löcher, dafür war es so staubig, dass wir es vorsichtig abnahmen
und eins von unseren aufhängten. Das hat sich ja nun auch wirklich
gelohnt, denn aus unseren zwei Nächten in Kampot ist mittlerweile
eine ganze Woche geworden. Warum eigentlich?
Jonas war recht dolle erkältet und bei
der Wärme (30°C und recht hohe Luftfeuchtigkeit) schafft einen das
noch mehr als zu hause. Ich steckte mich natürlich nach zwei Tagen
an... zu verdanken haben wir das wohl der „asiatischen Klimaanlage“
im Bus, die auch hier in Kambodscha genutzt wird und da es in dem
Minibus (ca. 20 Sizplätze) mit ca. 30 Leuten und dem vielen
Reisegepäck recht warm war, waren halt alle Fenster geöffnet...
Also ein Grund, warum wir hängen
geblieben sind, war ein unfreiwilliger, ein anderer war, dass es
einfach so unglaublich entspannt hier ist.
Die Stadt ist eher schläfrig und außer
essen kann man eigentlich nichts machen.
Das Hostel und die Bungalowanlage, in
der wir momentan wohnen, befinden sich direkt am Fluss. Hier gibt es
ungefähr 4 oder 5 solcher Anlagen und man kann jeden Tag auf einer
anderen Flussterasse verbringen. So saßen wir also die letzte Woche
auf verschiedenen Holzterrassen, darunter plätscherte gemütlich das
Wasser, ab und an kam ein Fischerkahn vorbei oder jemand sprang ins
Wasser... bei dieser Atmosphäre kann man wunderbar nachdenken. Über
die letzte Zeit. Über unsere Reise. Und unsere gemeinsame Zukunft.
Ich kann nicht wirklich sagen, dass wir
viele Antworten auf die Fragezeichen in unseren Köpfen gefunden
haben, aber ein Stückchen weiter sind wir bestimmt.
Es tat einfach richtig gut mal „nichts“
zu machen und Zeit zu haben!
Heute fühlten wir uns beide so langsam
so, dass mal wieder was passieren könnte. Deshalb mieteten wir uns
einen Motorroller und düsten los... Auf der Karte von Kampot sahen
wir eine Insel, die mit einer Brücke mit dem Festland verbunden war
und sich bis zum Meer ausdehnt. Perfektes Ausflugsziel – einfach
mal gucken. Die Straße wurde immer schlechter. Dunkelrote Sandpiste
mit vielen Schlaglöchern und dicken Steinen... „Jonas fuhr, Pauli
hüpfte auf dem Rücksitz.“, so kann man die Fahrt wohl am ehesten
beschreiben. Ich weiß nicht, ob die Leute am Straßenrand lachen
mussten, weil wir beide einen Helm auf hatten (etwas total abwegiges
hier!) oder weil ich das Gesicht verzog und regelmäßig „ahhh“
und „ohohohohh“ rief.
Naja, als die Straße schließlich nur
noch aus spitzen Steinen bestand war es Zeit umzukehren, das Meer
hatten wir bis dahin natürlich noch nicht gesehen... also den ganzen
Weg wieder zurück! Aber am Himmel braute sich etwas für uns total
ungewöhnliches zusammen. Regenwolken? Toll! Wir suchten Unterschlupf
in einem „Kiosk“ am Wegesrand... naja, Kiosk. Also nicht, dass
ihr euch jetzt was falsches vorstellt. Es war mehr eine kleine Hütte,
von der aus Sachen verkauft werden, aber in der wohl auch jemand oder
vielleicht auch eine ganze Familie wohnt. Lächeln auf beiden Seiten
und wir zeigten auf eine Coladose (auch im tiefsten Winkel des Landes
sind sie einfach immer gekühlt vorrätig, anders als Wasser!)... die
übliche, große, orangene Kühltruhe (auch so ein Produkte, von dem es
nur eine Sorte gibt) wurde geöffnet und wir hatten jeder eine Dose
in der Hand. Und ziemlich schnell auch zwei dieser roten
Plastikstühle unterm Hintern, die waren irgendwo von hinten aus der
Hütte vor gezaubert worden. Es goss mittlerweile aus Eimern! Aber
das scheint den Leuten hier wenig auszumachen, man trocknet ja auch
schnell wieder... es musste sich aber rumgesprochen haben, dass da
zwei Westler im Kiosk sitzen und Cola trinken, denn vereinzelt kamen
Leute vorbei und setzen sich für ein paar Worte mit dem
Kioskbesitzer und wir wurden interessiert beäugt.
Als der Regen aufhörte setzten wir
unseren Weg fort, er führte uns wieder vorbei an den Salzfeldern.
Die Umgebung von Kampot ist bekannt für die Salz- und
Pfefferproduktion. Pfefferplantagen hatten wir ja schon in Vietnam
gesehen und nun kenne wir auch Salzfelder. Große, graue
Modderfelder... wirklich einen Ausflug wert ;o)
Da das alles genug Aufregung für uns
war, saßen wir zum Abendessen wieder auf einer der Terrassen und
ließen uns ein super tolles hausgemachtes Chicken-Sandwich
schmecken. Falls jemand von euch mal nach Kambodscha reißt und in
Kampot landet, wir haben da was tolles entdeckt!
Nun sitzen wir mittlerweile auf einer
der anderen Holzterrassen und lassen den Tag bei ruhiger
französischer Musik, die hier gespielt wird, ausklingen... zum Glück fühlen wir uns nicht
mehr so labberig wie Kompott und werden wohl übermorgen Kampot verlassen und gen Norden
aufbrechen.
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