Donnerstag, 9. Januar 2014

Kampot und wir fühlen uns wie Kompott ;o)

Hängen geblieben? Wie kann man denn an einem Ort hängen bleiben? Und dann noch ohne, dass er besonders aufregend ist??? Hä? Tja, man kann! Und wir können auch! Seit einer Woche sind wir in Kampot und hier steppt nicht gerade der Bär... aber das machte uns in der letzten Woche überhaupt nichts aus, denn wir mussten uns kurrieren.


Also... nach Sihanoukville wollten wir für zwei Tage nach Kampot, weil es ganz schön und gemütlich sein sollte. Die Busfahrt dauerte gerade mal 2,5 Stunden und wir konnten es wirklich nicht glauben, dass es wirklich bei der angekündigten Fahrtzeit blieb. WAS? Wir sind schon da??? Und schon standen 10 Tuk Tuk Fahrer um uns rum.... wir sind erst mal zielstrebig in den nächsten Fruitshakeladen und warteten dort gemütlich mit unseren Shakes bis sich die Lage beruhigt hatte. Soviel zur Gemütlichkeit der Stadt!

Zum Glück hatten wir ein Zimmer telefonisch vorgebucht und so konnten wir uns von einem Tuk Tuk Fahrer, den wir selbst auswählten, zielstrebig zur Bodhi Villa fahren lassen. Hier sind die Tuk Tuk Fahrer ganz anders als in Sihanoukville... lassen nicht mit sich handeln und wenn man eins sucht, dann muss man es suchen und es wird nicht von überall gerufen.

Die Bodhi Villa hielt ein winziges Zimmer für uns bereit, gerade so groß, dass ein Doppelbett reinpasste und man drum herum laufen kann. Dazu ein Moskitonetz mit ein paar Löchern (Danke für das Leukoplast, Susanne!) und eins der Einheitsregale, die es hier gibt. Einheitsregale? Ja, wir haben den Eindruck, dass es nur diese eine Sorte Regal gibt, das dafür aber überall. Dann gibt es noch zwei Sorten Betten, und zwei verschiedene Arten von Korbsessel, von denen sich aber nur eine Sorte gemütlich sitzt. Von Plastikstühlen gibt es auch nur eine Sorte, die aber in rot oder blau und klein oder groß.

Nach zwei Nächten in der Bodhi Villa siedelten wir um nach Naga House und bezogen ein Bungalow. Juppi, unser erster Bungalow! Eigentlich gibt es keinen großen Unterschied zwischen einem Zimmer und einem Bungalow, aber wir freuten uns trotzdem, dass wir endlich auch mal einen hatten. Er ist ein bisschen größer als das Zimmer bei Bodhi und das Mosiktonetz hatte keine Löcher, dafür war es so staubig, dass wir es vorsichtig abnahmen und eins von unseren aufhängten. Das hat sich ja nun auch wirklich gelohnt, denn aus unseren zwei Nächten in Kampot ist mittlerweile eine ganze Woche geworden. Warum eigentlich?

Jonas war recht dolle erkältet und bei der Wärme (30°C und recht hohe Luftfeuchtigkeit) schafft einen das noch mehr als zu hause. Ich steckte mich natürlich nach zwei Tagen an... zu verdanken haben wir das wohl der „asiatischen Klimaanlage“ im Bus, die auch hier in Kambodscha genutzt wird und da es in dem Minibus (ca. 20 Sizplätze) mit ca. 30 Leuten und dem vielen Reisegepäck recht warm war, waren halt alle Fenster geöffnet...
Also ein Grund, warum wir hängen geblieben sind, war ein unfreiwilliger, ein anderer war, dass es einfach so unglaublich entspannt hier ist.
Die Stadt ist eher schläfrig und außer essen kann man eigentlich nichts machen.
Das Hostel und die Bungalowanlage, in der wir momentan wohnen, befinden sich direkt am Fluss. Hier gibt es ungefähr 4 oder 5 solcher Anlagen und man kann jeden Tag auf einer anderen Flussterasse verbringen. So saßen wir also die letzte Woche auf verschiedenen Holzterrassen, darunter plätscherte gemütlich das Wasser, ab und an kam ein Fischerkahn vorbei oder jemand sprang ins Wasser... bei dieser Atmosphäre kann man wunderbar nachdenken. Über die letzte Zeit. Über unsere Reise. Und unsere gemeinsame Zukunft.
Ich kann nicht wirklich sagen, dass wir viele Antworten auf die Fragezeichen in unseren Köpfen gefunden haben, aber ein Stückchen weiter sind wir bestimmt.
Es tat einfach richtig gut mal „nichts“ zu machen und Zeit zu haben!

Heute fühlten wir uns beide so langsam so, dass mal wieder was passieren könnte. Deshalb mieteten wir uns einen Motorroller und düsten los... Auf der Karte von Kampot sahen wir eine Insel, die mit einer Brücke mit dem Festland verbunden war und sich bis zum Meer ausdehnt. Perfektes Ausflugsziel – einfach mal gucken. Die Straße wurde immer schlechter. Dunkelrote Sandpiste mit vielen Schlaglöchern und dicken Steinen... „Jonas fuhr, Pauli hüpfte auf dem Rücksitz.“, so kann man die Fahrt wohl am ehesten beschreiben. Ich weiß nicht, ob die Leute am Straßenrand lachen mussten, weil wir beide einen Helm auf hatten (etwas total abwegiges hier!) oder weil ich das Gesicht verzog und regelmäßig „ahhh“ und „ohohohohh“ rief.
Naja, als die Straße schließlich nur noch aus spitzen Steinen bestand war es Zeit umzukehren, das Meer hatten wir bis dahin natürlich noch nicht gesehen... also den ganzen Weg wieder zurück! Aber am Himmel braute sich etwas für uns total ungewöhnliches zusammen. Regenwolken? Toll! Wir suchten Unterschlupf in einem „Kiosk“ am Wegesrand... naja, Kiosk. Also nicht, dass ihr euch jetzt was falsches vorstellt. Es war mehr eine kleine Hütte, von der aus Sachen verkauft werden, aber in der wohl auch jemand oder vielleicht auch eine ganze Familie wohnt. Lächeln auf beiden Seiten und wir zeigten auf eine Coladose (auch im tiefsten Winkel des Landes sind sie einfach immer gekühlt vorrätig, anders als Wasser!)... die übliche, große, orangene Kühltruhe (auch so ein Produkte, von dem es nur eine Sorte gibt) wurde geöffnet und wir hatten jeder eine Dose in der Hand. Und ziemlich schnell auch zwei dieser roten Plastikstühle unterm Hintern, die waren irgendwo von hinten aus der Hütte vor gezaubert worden. Es goss mittlerweile aus Eimern! Aber das scheint den Leuten hier wenig auszumachen, man trocknet ja auch schnell wieder... es musste sich aber rumgesprochen haben, dass da zwei Westler im Kiosk sitzen und Cola trinken, denn vereinzelt kamen Leute vorbei und setzen sich für ein paar Worte mit dem Kioskbesitzer und wir wurden interessiert beäugt.

Als der Regen aufhörte setzten wir unseren Weg fort, er führte uns wieder vorbei an den Salzfeldern. Die Umgebung von Kampot ist bekannt für die Salz- und Pfefferproduktion. Pfefferplantagen hatten wir ja schon in Vietnam gesehen und nun kenne wir auch Salzfelder. Große, graue Modderfelder... wirklich einen Ausflug wert ;o)

Da das alles genug Aufregung für uns war, saßen wir zum Abendessen wieder auf einer der Terrassen und ließen uns ein super tolles hausgemachtes Chicken-Sandwich schmecken. Falls jemand von euch mal nach Kambodscha reißt und in Kampot landet, wir haben da was tolles entdeckt!

Nun sitzen wir mittlerweile auf einer der anderen Holzterrassen und lassen den Tag bei ruhiger französischer Musik, die hier gespielt wird, ausklingen... zum Glück fühlen wir uns nicht mehr so labberig wie Kompott und werden wohl übermorgen Kampot verlassen und gen Norden aufbrechen.

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