Hier ist es gerade 2 Uhr nachts und wir
sind im Prinzip gerade in unser eigenes Hotelzimmer eingebrochen...
aber erst mal von vorne:
Es regnet! Also so richtig, richtig
oller Nieselregen! Mal mehr, mal weniger, aber richtig doofes Wetter.
Wir waren bisher noch nicht am Strand, obwohl der recht schön hier
sein soll – ihr könnt euch also ungefähr vorstellen, wie das
Wetter hier ist.
Wir haben heute einen ziemlich
entspannten Tag erbracht: Von 8 bis 12 Uhr im Hotel gefrühstückt,
im Internet gesurft, dann sind wir mit den Rädern ein bisschen durch
die Stadt gestreift und in einem Fair-Trade-Laden gelandet. Im
angeschlossenen Teehaus haben wir Kaffee und Kekse genossen und sind
dann weiter durch die Stadt. Von einem Schweizer, der seit ein paar
Monaten in Hoi An gestrandet ist, haben wir einen Flyer für eine Bar
in die Hand gedrückt bekommen. „ 19 Uhr – 1 Uhr Happy Hour! 1
Getränk kaufen – 1 Rum Cola gratis!“. Wir haben ihn noch nach
einem Tipp für einen Ort zum Abendessen gefragt und eine total
leckere Garküche mit Reis und Hähnchen empfohlen bekommen.
Auf dem Weg zur Garküche fing es mal
wieder an zu regnen, aber wir waren gut vorbereitet und packten
unsere Regenponchos aus. Wir sind noch beim Auffalten der Ponchos, da
kommt eine Frau zu uns, die Ponchos verkauft... „Wollt ihr welche
kaufen?“ „Nein, danke! Wir haben welche.“... Dachte sie
wirklich, dass wir jeder zwei Ponchos brauchen? Zwei Minuten später
– wir kämpfen uns immer noch mit unseren Ponchos ab. „Wollt ihr
welche kaufen?“ „Nein, wirklich nicht. Danke!“ „Aber meine
sind besser!“ - Wir mussten so lachen!!! Aber es stimmte, ihre
waren gelb, grün und rosa... viel besser als unsere durchsichtigen
;o)
Nach der Garküche wollten wir einen
kurzen Zwischenstopp im Hotel einlegen und danach in die Bar, von der
wir den Flyer hatten.
Kurz ein paar Klamotten gewechselt und
schon standen wir wieder vor der Tür. Es regnete immer noch und
diesmal um so stärker! Unsere Ponchos lagen natürlich oben. „Hmm,
wieder hochlaufen und die Pochos holen? Nee. Einfach so durch den
Regen fahren? Nee.“
Auf der anderen Straßenseite winkte
uns eine Frau aus einem Geschäfte und bot uns Ponchos an...
„Brauchen wir jetzt welche? Naja, das Geld könnte man ja auch
sparen... Aber die sind ja etwas länger als unsere und richtige
Ärmel haben sie auch. Und Gummibänder unten an den Ärmeln und eine
Kapuze mit Bändchen zum zu ziehen... Naja, wir gucken mal – aber
mehr als 1$ für zwei Ponchos geben wir nicht aus!“
Wir gingen über die Straße...
„Wie viel kostet einer?“
„1$ pro Stück“
„Wie viel kosten zwei?“
„2$“
„Ok. Nein, danke.“
„Wie viel wollt ihr geben?“
„1$ für zwei Stück!“
„Nein, das ist zu wenig“ Wir
gingen langsam. Von hinten kam auf einmal:
„Ok. Zwei Stück für einen Dollar“
Naja, ein bisschen zu leicht war das
schon. Aber hey – 75 Cent für zwei lange Ponchos mit Ärmeln und
Gummibändern und in neongelb und neonorange! Wir waren happy!
Wir fuhren mit unseren Ponchos
bekleidet 10 Minuten mit den Rädern durch den Regen bis zu der Bar.
Es war nur ein Gast, aber 4 Angestellte zu sehen... Der Gast winkte
uns gleich freundlich zu. Wir winkten zurück. Als wir näher kamen
und die Ponchos auszogen, stellte er fest, dass wir nicht seine
Freunde waren – wir hatten nur die gleichen Ponchofarben wie sie!
Bei Regen laufen hier eigentlich nur 5 verschiedene Leute in der
Stadt rum – es gibt nur 5 Ponchofarben ;o)
Wir hatten einen netten Abend in der
Bar und waren zwischenzeitlich sogar 5 Gäste... wir verließen die
Bar nach 4 Bier, einer Sprite und 5 Rumcola und hatten weniger als 4
€ bezahlt. Unglaublich, oder?
Der Weg zurück war verkehrmäßig so
entspannt wie noch nie hier in Vietnam. Wir sahen nur eine Person auf
der Straße – natürlich in rosa Regenponcho!
So, bis dahin war ja noch alles
ziemlich normal heute ;o) Beinahe fast so wie zu hause...
Wir schlossen unsere Fahrräder vor dem
Hotel an und gingen rein. Das Licht im Foyer war schon aus und
niemand war zu sehen. Niemand? Naja, wir sagen nur ein Campingliege
und eine geblümte Wolldecke, unter der etwas atmete. Hmm...
aufwecken und nach dem Schlüssel fragen? Aber eigentlich wissen wir
ja schon in welcher Schublade der Schlüssel für unser Zimmer immer
liegt...
Wir entschieden uns selbst mal zu
gucken. Jonas ging wie selbstverständlich hinter die Rezeption,
schob den mini Holzhocker etwas geräuschvoll bei Seite und tadaaa –
da war der Schlüssel. Wir mussten so lachen, also eher prusten, denn
wir wollten ja den jemand unter der Wolldecke nicht wecken...
Nun ja, jetzt sitzen wir in unserem
Zimmer und freuen uns!
PS: Uns fiel gerade noch ein, dass hier
im Hotel überall Videokameras hängen, aber im Fall der Fälle haben
zwei bunte Ponchos den Schlüssel gemopst ;o)
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